Sudan – Leid und Profit

Sudan

Quelle: https://sudan.liveuamap.com


Sudan – Leid und Politik von Arnaud Julien-Thomas (Le Monde diplomatique, 08.01.2026) geht der Frage nach, wie die Regionalmächte Ägypten, Saudi-Arabien und vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate vom Krieg im Sudan profitieren und ihn am Laufen halten. Hier eine Zusammenfassung.

Eskalation der Gewalt und humanitäre Katastrophe
Seit dem Ausbruch des offenen Konflikts zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) im April 2023 hat sich Sudan in einen verheerenden Bürgerkrieg verwandelt. Die Eroberung von al-Fashir, der Hauptstadt Nord-Darfurs, durch die RSF im Oktober 2025 markiert einen neuen Tiefpunkt: Massaker, Folter und ethnisch motivierte Hinrichtungen wurden von UN-Vertretern dokumentiert und durch Satellitenanalysen bestätigt. Darfur gilt nun als „globales Epizentrum menschlichen Leids“. Beide Konfliktparteien gehen mit äußerster Brutalität gegen Zivilisten vor – die RSF setzen gezielt auf eine Panikstrategie nach Vorbild des IS, während auch der SAF systematische Gewalt gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen nachgewiesen wurde.

Machtkampf zwischen al-Burhan und Hametti als Wurzel des Krieges
Der Konflikt geht auf das islamistische Regime Omar al-Bashirs zurück. Nach dessen Sturz 2019 scheiterte der demokratische Übergang am Machtstreben der beiden Generäle Abdel Fattah al-Burhan (SAF) und Mohamed Hamdan Daglo „Hametti“ (RSF). Al-Burhan reaktivierte islamistische Kräfte, um Hametti zu verdrängen, während dieser seine Miliz aus der geplanten Eingliederung in die Armee herauslöste. Der offene Ausbruch der Kämpfe war die Folge dieses Zerwürfnisses.

Die Vereinigten Arabischen Emirate als zentraler Unterstützer der RSF
Entscheidend für das Fortbestehen des Krieges ist die Rolle der VAE. Sie unterstützen Hametti seit Jahren – zunächst durch den Einsatz seiner Truppen im Jemen, heute vor allem durch die Abnahme von Konfliktgold. Über 29 Tonnen Gold wurden 2024 direkt aus Sudan importiert, dazu große Mengen über Nachbarländer wie Tschad und Libyen. Mit den Erlösen finanziert Hametti seine Kriegsführung, beschafft Waffen und Söldner. Abu Dhabi sieht in ihm ein Instrument zur geopolitischen Einflussnahme in Ostafrika und gegenüber Rivalen wie Saudi-Arabien, Katar und Ägypten.

Geopolitische Interessen überlagern Friedensbemühungen
Neben den VAE sind weitere regionale Akteure in den Konflikt involviert: Die SAF erhalten Unterstützung von der Türkei, Iran, Ägypten, Katar und Russland, während die RSF auch von Äthiopien, Kenia, Uganda und dem libyschen Machthaber Chalifa Haftar profitieren. Äthiopien sichert sich im Nil-Streit mit Ägypten die Unterstützung Hamettis. Die internationale Gemeinschaft bleibt trotz der Gräueltaten weitgehend untätig. Die Arabische League schweigt, und die EU vermeidet in ihren Resolutionen eine klare Benennung der VAE, um die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen nicht zu gefährden.

Wirtschaftliche Abhängigkeiten verhindern Sanktionsdruck
Trotz öffentlicher Kritik und einzelner US-Sanktionen gegen RSF-nahe Firmen bleiben wirksame Maßnahmen aus. Die VAE haben sich durch ihre Doppelstrategie – Unterstützung der RSF bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Kooperation mit der SAF – als einflussreichste externe Macht etabliert. Beide Seiten sind inzwischen von den Emiraten abhängig: die RSF über den Goldhandel, die SAF über Handelsströme und den Finanzsektor. Diese Verflechtungen machen Abu Dhabi zu einem doppelten Gewinner des Krieges, während die sudanesische Bevölkerung die Hauptlast trägt.